Infrarot Fotografie

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 


Ja ja, es ist der Lauf der Dinge...

man lernt nie aus, hat Fips Asmussen immer gesagt.
Neue Begehrlichkeiten überkommen einen im Leben immer mal wieder.

Und da mich die Infrarotfotografie sehr begeistert, möchte ich meinen kleinen Teil dazu beitragen, dass sich dieses wundervolle Feld auch anderen ambitionierten Kamerabesitzern erschließt:

Mich reizt die Fotografie insgesamt. Ich will mich nicht auf irgend etwas festlegen und z. B. nur noch Autos fotografieren.

Auch wenn das für mich den Vorteil hätte, dass ich auf ein bestimmtes Gebiet der Fotografie festgelegt, darin schneller
besser würde. Wie das so ist wenn man etwas oft macht,
trainiert jede Wiederholung das Können immer weiter, man bekommt neue Ideen usw.

Aber: Von Tieraufnahmen die ohne Telebrennweite kaum
möglich sind, bis hin zur Makro- oder besser noch  Lupenfotografie, begeistert mich auch all das winzig Kleine
auf dieser Welt. Von dem er hier einer ist, der Rüsselkäfer!
Die Natur fasziniert mich sehr. An Landschaftsaufnahmen habe
ich ebenso so viel Spaß, wie an den "Zeugnissen der Architekturgeschichte".
Oder was immer mein Auge gerade fesselt, wenn ich es im
Sucher sehe.


Glossar

Clip Filter

darktable home - Download

Fokus

Kanaltausch

Nachbearbeitung

Weißabgleich


Infrarot Fotos von Lindisfari

meine Infrarot Galerie

Während ich bei 500px angemeldet war, habe ich öfter mal mit Farben allgemein, dem Color Key und Negativeffekten gespielt.

So kam ich über dieses Foto


Quelle:   Eigene Aufnahme

mit einer Dame in Kontakt, die ihrerseits auch schon das eine oder andere IR-Foto gepostet hatte.

Auch die IR-Aufnahmen anderer Fotografen fanden meine Aufmerksamkeit. U. a. weil Bäume, die zu meinen Lieblingsmotiven gehören, ein dankbares Motiv in der IR-Welt sind, sprach ich die Dame mal auf ihre Erfahrungen mit dem Thema IR an.
Ihre Tipps und Links verfolgte ich aufmerksam und habe mich lange über alle Varianten informiert.
Auch das Thema Nachbearbeitung hatte meine Bekannte angesprochen. Sie erwähnte, dass IR-Fotos eine komplett andere Nachbearbeitung erfordern, als man das von Aufnahmen mit Tages- oder Kunstlicht kennt.

IR-Fotografie kann man so oder so betreiben
- mit Stativ, aufgeschraubtem Filter und langen Belichtungszeiten (Unschärfen im Laub der Bäume bei Wind)
- oder mit einer komplett umgebauten Kamera und je nach Umbau, auch mit internen Filtern und normalen Belichtungszeiten
und egal wie man es nun macht, IR-Fotografie ist etwas ganz anderes, als die Arbeit mit normalem, sichtbarem Tageslicht.
Über die Wellenlängen und andere physikalischen Grundsätze will ich jetzt nicht noch einmal schreiben, was viele andere schon für's Web verfasst haben.

Meine Herangehensweise ist vielleicht nachvollziehbar und für den einen oder anderen die bessere Lösung.
Bei allen Angeboten für Umbauten erschien mir das vom astro-shop, Vesting e.K. am besten und mit Schraubfiltern arbeiten wollte ich auch nicht.
Die Firma bietet sowohl den Umbau vorhandener Kameras an, wie auch den Kauf fertig modifizierter Neugeräte.
Die Garantie der Kameras bleibt bei Modellen von Canon beim Umbau sogar erhalten, läuft dann nur über den astro-shop.
Der Umbau allein kostete im Juli 2018 für eine Canon 309,--. Auf den Preis für den Umbau kommt bei neuen Kameras nur der faire übliche Marktpreis für den Body drauf. Natürlich alles brutto.

Die Umbauten des astro-shop machen einen rundherum professionellen Eindruck. Obwohl der Umbau von Spiegelreflexkameras nicht das Hauptgeschäft des Händlers ist, sondern wie der Name schon vermuten lässt, die technische Ausrüstung für Sternenbeobachtung und andere Herausforderungen mit dem Nachthimmel.
Arbeiten im Reinraum werden hier als Grundvoraussetzung für die Umbauten genannt!

Was die Umbauten nun so besonders macht, ist der Pass- oder EOS Clip Filter


Quelle:   Eigene Aufnahme

der einfach vorne in die Kamera eingesetzt wird.

Neben Filtern für verschiedene IR Wellenlängen, steht auch ein "Umkehrfilter" zur Verfügung.
Mit diesem speziellen Filter, lassen sich für IR-Fotografie umgebaute Kameras, ganz einfach und schnell wieder tageslichttauglich machen. Man hat also trotz Umbau weiter "eine für alles" wenn für eine zweite Kamera kein Geld da ist.
Praktisch ist ebenfalls, dass man einen Filter _in_ der Kamera hat, statt dem konventionellen Schraubfilter vorne auf dem Objektiv.

Man kann jedes kompatible EF-Objektiv (ohne Hotspot) auf die Kamera setzen ohne jedes Mal mit dem Objektiv, auch den IR-Filter wechseln zu müssen.
Das betrifft ggf. auch Aufnahmen bei Tageslicht mit dem Umkehrfilter. Zu dem Umkehrfilter in der Kamera, kann man z.B. noch einen Verlaufsfilter vorne vor das Objektiv setzen, ohne das es durch den zweiten Filterring zur Vignettierung kommt.
Also ein wirklich durchdachtes System.

Seltsamer Weise finde ich in den Google Suchergebnissen zum Thema "Umbau auf reine IR-Kamera", also die dauerhafte desintegration des eingebauten IR-Sperrfilters der vor dem Sensor sitzt, ganz oben den Namen IRreCams und verschiedener anderer, mir nicht bekannter Anbieter - und Hinweise zu Umbauten in Eigenregie. Hier müsste von der Sache her der astro-shop ganz oben bei den Ergebnisse auftauchen. Nun gut...

Nur kurz zum Sperr- oder Cutfilter:
Um rote Verfärbungen durch infrarotes Licht bei Tageslichtfotografie zu vermeiden, haben alle gängigen Kameras diesen integrierten IR-Sperrfilter.


APS-C Sensor, Quelle:
Fotonetz24   http://fotonetz24.de/wordpress/wp-content/uploads/2013/12/aps-c.jpg

Jetzt schaue man sich das Foto oben an. Von diesem Sensor soll man nun die Sperrfilterschicht (die Vordere, die so grün-blau schimmert) entfernen und durch ein Glasplättchen ersetzen. Dazu muss der Sensor aus- und wieder eingebaut werden.
Zu Hause.
Ohne staubfreien Raum.
Unter nicht professionellen Bedingungen...
Landet auch nur ein Fussel oder Körnchen auf dem Sensor oder der Scheibe die den Filter ersetzt, wird dieses winzige Teilchen dazwischen eingeschlossen und auf jedem Foto als dunkler Fleck zu sehen sein.
Das sollte man sich gut überlegen.

Handwerklich bin ich sicher nicht blöd, aber meine Kamera aufmachen und dabei die Garantie zum Teufel jagen, war für mich auch nicht drin.

Man kann natürlich auch mit dem Sperrfilter Infrarotaufnahmen machen, indem man entspr. Filter auf das Objektiv schraubt, die nur noch infrarotes Licht passieren lassen. Das hat allerdings Belichtungszeiten zur Folge, die immer ein Stativ erfordern.
Dann müsste man für Aufnahmen von Bäumen absolute Windstille haben, da sonst das Laub im Wind verwischt (siehe oben).
Die schönen scharfen Konturen, die für IR so typisch sind, würden verloren gehen.

Außerdem muss bei dieser Art der IR-Fotografie der Fokus zuerst ohne Filter eingestellt werden, da mit aufgesetztem Filter im Sucher nichts mehr zu sehen ist.

Durch einen Umbau des Sensor-Sandwich bleiben normale Belichtungszeiten möglich, man muss nicht immer mit einem Stativ arbeiten wenn man nicht will.

Mit dem was ich an Infos gefunden hatte, konnte mich IRreCams dann nicht recht überzeugen, meinen Umbau dort machen zu lassen.

Kommen wir zurück zum astro-shop.
Ich habe mir mit der Kamera (plus Umbau) noch drei Filter für alle mir wichtigen Bereiche gekauft:
- ProPlanet 642 BP IR EOS Clip-Filter - Filter auch für Farbe (mehr sichtbares Tageslicht wie der 742) aber auch gegen Seeing-
  Unschärfen bei Aufnahmen vom Nachthimmel / Mond
- Astronomik ProPlanet 742 IR-Passfilter - Filter für "Standard-IR-Farbaufnahmen" lässt einen kleinen Rest sichtbaren Lichts durch
- Astronomik ProPlanet 807 IR-Passfilter - sehr dichter Filter für schwarz-weiße Infrarotaufnahmen, kein Rest von Tageslicht
  kommt hier durch.
Der astro-shop bietet über Trusted Shops die komplette Absicherung des Einkaufs (Käuferschutz). Bei solchen Größenordnungen ist das ein klarer Vorteil.

Der Shop ist übersichtlich sortiert, bietet ein vollständiges Sortiment mit allem Zubehör und die Detailinformationen zu einzelnen Artikeln sind ebenfalls vollständig.


Die 750D musste ohnehin zur Reparatur zu Canon (Bending Streifen auf dem Sensor, ich schrieb drüber - "die ersten Monate...").
Um derweil nicht ohne Kamera da zu stehen, kaufte ich mir die ohnehin geplante 80D und wollte die 750er nach der Reparatur gleich für den IR-Einsatz umbauen lassen.

Da die Reparatur zu meiner Überraschung auch eine Aufwertung bedeutete, kam mir die Idee eine weitere Kamera zu kaufen.
Auch weil nach dem Umbau mit eingesetztem Clipfilter, nur noch EF-Objektive verwendet werden können.
Ich wollte ja meine Kameras mit verschiedenen Objektiven parallel nutzen, um diese nicht ständig wechseln zu müssen.
Und da nach dem Umbau alle EF-s nicht mehr gepasst hätten, wollte ich die 750er dann nicht mehr opfern.
Also habe ich mich für eine neue EOS 1300D entschieden. Alles zusammen, also Kamera, Umbau & drei Filter waren das knapp 900 Euronen. Versand kostenlos ;-)


Nun ist die umgebaute 1300er da, alles ist an seinem Platz und entsprechend dem Vorhaben eingestellt.
Grundvoraussetzung: Manueller Weißabgleich.

Ich verdödel das auch immer wieder mal, mein Favorit: Weißabgleich auf Kunstlicht gelassen und dann draußen Fotos gemacht.
Ein toll versautes Foto mit "herrlichem" Blaustich und mein langes Gesicht sind dann die Folge.
Ganz so dramatisch ist es bei der IR-Fotografie nicht, aber es macht die Nachbearbeitung auf jeden Fall einfacher, wenn man gleich mit einem vernünftigen Weißabgleich arbeitet.
Um die Farben korrekt verrechnen zu können, muss die Kamera wissen, was in der jeweiligen Situation tatsächlich weiß ist.
So wie man eine Waage nach dem Auflegen der Verpackung auf null stellt, um diese nicht mit der Ware mit zu wiegen.

Normalerweise würde man dafür eine sog. "Weißkarte" nehmen. Eine ganz normale Pappe mit rein weißer Oberfläche.
Für Kunstlicht geht z.B. auch eine Kühlschranktür.
Bei Infrarotlicht sind die Farben aber nicht mehr wie wir sie kennen.

Nehme ich jetzt meine Umgebaute in die Hand, draußen im Freien bei bestem Licht und halte sie auf eine Wiese, dann wird die komplette Grasfläche weiß erscheinen. Das Wasser in den dünnen Blättchen reflektiert das Licht wie Eis im Polarkreis oder Schnee in den Bergen. Diese Wirkung, "Wood Effect" genannt, wird durch das Blattgrün (Chlorophyll) noch verstärkt.

Auf normales Sonnenlicht eingestellt, würde die Kamera jetzt ohne angepassten Weißabgleich mit falschen Grundwerten rechnen.
Denn tatsächlich ist ja grün jetzt weiß geworden. Daher fangen wir mit dem manuellen Weißabgleich an.

Zum Weißabgleich sind nur ein paar kinderleichte Handgriffe an der Kamera nötig.
Gehen wir die mal an der EOS 750D zusammen durch.

Um für unseren Weißabgleich eine Basis zu haben, gehen wir vor wie oben. Filter rein, Objektiv drauf, Deckel ab - und die Kamera auf etwas grünes halten, oder auf irgend etwas, das jetzt durch das infrarote Licht im Display weiß erscheint und auslösen.
Mit diesem Foto wird jetzt der Weißabgleich gemacht. Dazu wählt man bei Canon im Hauptmenü (Taste Menü) "Custom WB"


Quelle:   Eigene Aufnahme

und gelangt darüber zur Bildauswahl


Quelle:   Eigene Aufnahme

hier würde die Kamera für einen Weißabgleich geeignete Fotos auflisten. Wir würden jetzt das nehmen, dass wir gerade aufgenommen haben. Die Grundlage haben wir. Nun müssen wir es nur noch der Kamera "erklären"

So wird der Weißabgleich bei manuellem Modus für Tageslichtaufnahmen im Aufnahmemenü angezeigt


Quelle:   Eigene Aufnahme

hier wählen wir das letzte Symbol, den manuellen Weißabgleich


Quelle:   Eigene Aufnahme

und beenden das Menü.


Die Kamera hat nun "eine Vorstellung" davon, was weiß bedeutet.
Danach werden die ankommenden Lichtinformationen ab jetzt von den Prozessoren hinter dem Sensor zum Bild verrechnet.
Die Kamera kann permanent auf manuellen Weißabgleich eingestellt bleiben, wenn sie nur für IR genutzt wird.
Nach einem Filtertausch muss nur der Weißabgleich für den Sensor je nach eingesetztem Filter neu gemacht werden.

Also, wie gesagt, nicht unbedingt... den Weißabgleich kann man auch später am Rechner machen bevor man die Kanäle tauscht.
Nur wird dann die Bearbeitung etwas schwieriger, weil man für den Weißabgleich die richtigen Farbtemperaturen benötigt.
Und die Funktion um diese einstellen zu können, bieten wieder nicht alle Programme im nötigen Maße an.
Bei den meisten ist bei 2000 Kelvin Feierabend, man kommt nicht weiter herunter. Das macht die Nachbearbeitung unnötig schwierig. Also lieber den Weißabgleich vor der Fotosession machen.


Mit einem IR-Filter der noch einen Rest sichtbaren Lichts durchlässt, bekommen wir dann ein rotstichiges Foto.
Hier mal ein wenig Rohmaterial aus den jpgs zur Vorauswahl:


Quelle:   Eigene Aufnahme mit Weißabgleich vor der Aufnahme, der Himmel erscheint rot

Die Kamera hat das für uns unsichtbare Licht infraroter Wellenlänge sichtbar gemacht.

Noch eindrücklicher wird das Foto, nimmt man einen sehr dichten IR-Filter, der gar kein Restlicht mehr passieren lässt, sondern allein für infrarote Wellenlängen durchgängig ist.
Dann wird das Ergebnis bleistiftgrau, ein infrarotes schwarz-weiß Foto.


Quelle:   Eigene Aufnahme mit Weißabgleich vor der  Aufnahme, der Himmel erscheint grau

Für Nachbearbeitungen mit verbundenen Ebenen aus IR und Normallichtfotografie überlege ich, ob ich mir den Umkehrfilter noch dazu hole. So kann ich die Kamera auf dem Stativ lassen, das Objektiv bleibt manuell eingestellt und die Aufnahme wird mit getauschtem Filter und angepasstem Weißabgleich (beide Fotos für den Abgleich vorher machen!) wiederholt. Einmal in IR, einmal mit Tageslicht.


Aus meinen Recherchen im Vorfeld wusste ich schon, dass die IR-Nachbearbeitung etwas anderes sein wird, als normale RAW-Dateien zu bearbeiten. Ebenfalls lange vor dem Kauf der Kamera, habe ich begonnen mich über das Thema IR-Nachbearbeitung zu informieren.
Erstaunt war ich darüber, dass Google keine konkreten Antworten auf die Suche "Software Infrarot Nachbearbeitung" lieferte.
Meine Suche zeigte, dass sich beinahe alle Berichte über die IR-Fotografie mit den Basics beschäftigen. Der wirkliche Tiefgang fehlt den meisten.
Ernüchtert war ich bzgl. der spezifischen Informationen im Internet allgemein und wegen einem gewissem Monopolismus.

Immer wieder liest man in Foren Threads zu "Umbau oder Filter?", zu den jeweiligen Kosten, den geeigneten Kameras und den dankbarsten Motiven. Und von Listen mit Objektiven ohne Hotspot.

Probleme gibt es, wenn man versucht eine Lösung zur Nachbearbeitung zu finden, die nicht von Adobe angeboten wird.
Der größte Teil der Autoren beginnt gleich mit Themen wie dem Import in Light Room oder Photo Shop oder dem DNG Editor zur Konvertierung des RAW-Materials. Wenn überhaupt Aussagen zur Nachbearbeitung gemacht werden!

Ein paar Seiten bieten Screenshots zu den wichtigsten ersten Schritten - aus Photo Shop oder Light Room.

In meiner Korrespondenz hatte mir die Dame von 500px deutlich gemacht, dass die Voraussetzungen für IR-Fotografie nicht mit ein paar Filtern und einem Stativ getroffen sind.
Das habe ich auch in meinen Recherchen berücksichtigt und mich in alle Richtungen schlau gemacht.


Fotografieren sollte zuerst einmal Spaß machen. Doch wenn jeder sein eigenes Süppchen kocht und mit gängigen Anwendungen nicht jede Form von RAW-Dateien geöffnet werden kann, dann sitzt man untätig vor Fotos, die einfach nicht ohne Bearbeitung auskommen.
Das war vorher klar. Und ich werde mir keine Adobe-Abo ans Bein binden, egal was da kommt.
Wie umständlich es würde, die passende Software zu finden - ohne sich auf teure Cloud-Lösungen einzulassen - das war nicht klar.


Im großen und ganzen kann ich auch meine IR-Fotos in RAW mit dem Photo Director bearbeiten. Doch er bietet keinen Kanaltausch mit einstellbaren Werten für die RGB-Töne. Dann wieder gibt es Tools die das drauf haben, aber erst mit einem tif, nicht aus einer RAW-Datei heraus arbeiten. Im Grunde bräuchte ich nur ein add-on für den Photo Director.

Dank einem Heise-Artikel kam ich dann doch noch zum letzten Akt der Infrarot Fotografie.
Unter dem Titel: Farbige Infrarotbilder aus dem Raw-Konverter haben die Redakteure eine wirklich gute Zusammenfassung verfügbarer Tools ins Netz gestellt.

Die Voraussetzungen waren für mich:
RAW-kompatibel über Kamerahersteller hinaus, Kanalmixer enthalten, Ausgabeformat tif verfügbar.

Meine sonstigen Fotobearbeitungen erledige ich bisher ich mit dem Cyberlink Photodirector,
freihand Zusammenführung von Ebenen, Ausbesserungen oder Neukompositionen mit PhotoPaint
und Kleinigkeiten wie Feinrotation oder Stapelverarbeitungen mit IrfanView und
gif-Animationen mit dem Ulead gif Animator.
Den Photodirector habe ich einmal gekauft, ich muss nicht jeden Monat ab 13,-- bis ... für ein Cloudabo bezahlen. Aber egal.


Nun habe ich mich mit mehreren Anwendungen beschäftigt. Gimp macht Probleme beim speichern, gleich ausgeschieden.
GTK RAW Gallery entzieht sich meinem Verständnis. Wie ich hier eine Datei laden oder gar bearbeiten soll ist mir unklar.
In einem Versuch bewegte ich die Regler und das Prog. verabschiedete sich ins Nirvana. Früher Ausstieg.

Was mir tatsächlich weitergeholfen hat, ist Darktable.


Quelle:   Eigene Aufnahme mit darktable

Eine recht eigenwillig gestaltete, nicht recht intuitive Oberfläche empfängt den Betrachter. In weiteren Hinweisen im Internet, habe ich die richtige Voreinstellung für IR-Aufnahmen gefunden.


Quelle:   Eigene Aufnahme mit darktable

Wird diese Einstellung gesetzt, übernimmt das Tool automatisch den typischen Kanaltausch zwischen rot und blau mit den Standardwerten.
Dann fehlt ggf. noch der Weißabgleich, wenn dieser nicht vorher an der Kamera den Gegebenheiten angepasst wurde, da das Foto sonst nach dem Kanaltausch einen Blaustich hat.
Natürlich kann man trotzdem noch an den Reglern für rot und blau spielen. Dabei kommen, wenn man sich Zeit lässt, auch Töne von gelb bis hellgrün hervor. Wer mit Bildebenen arbeitet, muss hier nicht lange überlegen was man damit alles anstellen kann.

Hier ist der Kanalmixer:


Quelle:   Eigene Aufnahme mit darktable

Arbeitet man manuell, ist hier zum einen darauf zu achten, dass das StandBy-Symbol in der Spalte mit dem Titel des Untermenüs aktiviert ist.
Sonst bewegt man die Regler ohne das etwas passiert.

Zum anderen muss bei den Farben zuerst oben rechts rot und dann blau gewählt werden, wenn man den Kanaltausch manuell machen oder eine andere Änderung zwischen rot und blau vornehmen möchte.
In dem hier gezeigten Beispiel würden sich die Änderungen nur auf die Farbe rot auswirken. Um weitere Änderungen am blauen Kanal vorzunehmen, muss dieser oben rechts am Pfeil ausgewählt werden.

Mit allen anderen Einstellungen werde ich noch etwas herum experimentieren. Wie es aussieht, ist Darktable dann in Verbindung mit dem Photodirector Ultra 9 das Haupttool für meine IRrenArbeiten.

Was die Oberfläche von Darktable betrifft:
Es ist alles da was man braucht, nur wie man das als Windows User von Linux kennt, muss man erst suchen.
Das Tool hat zwei Hauptseiten. Den "Leuchttisch" und die "Dunkelkammer". Auf dem Leuchttisch befinden sich die Einstellungen zum Speichern


Quelle:   Eigene Aufnahme mit darktable

wo der Pfeil sitzt wird der Pfad gewählt und der Dateiname eingegeben, darunter sind die Einstellmodi für die neue Datei.
Als Ausgabeformate stehen neben anderen tiff, jpg, png als gebräuchlichste Formate zur Verfügung.
Hier sollte man immer tiff wählen um verlustfrei weiter am Bild arbeiten zu können. Wo es die Rechenleistung hergibt, auch mit 32 Bit statt 16 oder 8.

in der "Dunkelkammer" stehen neben den beschriebenen, auch alle anderen Funktionen für die Bildbearbeitung zur Verfügung.

Unter dem Histogramm findet man in Gruppen angeordnete Bearbeitungsbereiche wie Farben oder Zuschnitt.
Besonders wichtig ist in der Bar rechts unten der Punkt "weitere Module"


Quelle:   Eigene Aufnahme mit darktable

Hier findet man Untermenüs für jeden Zweck der Bearbeitung, u. a. auch den Kanalmixer. ALLE Untermenüs müssen jeweils über das Symbol für Standby ein- oder ausgeschaltet werden um einen Effekt zu zeigen!


Hier werde ich auf jeden Fall noch einige Zeit weiter forschen und Funktionen zu nutzen lernen, während ich mein IR-Album weiter befülle.

Dann habe ich da noch RAWTherapee gefunden.
Seltsamer Weise konnte ich anfangs mit Win 8.1 über den internen Verzeichnisbaum keine RAW-Files laden.
Nur über das Kontextmenü ließen sich RAW-Dateien mit dem Tool öffnen, dann aber nur eine nach der anderen.
Was aber bei dem Namen irgendwie keinen Sinn macht, wenn mit RAWTherapee nur Tiff-Dateien direkt geladen werden können.

Die wichtigen Features wie Kanalmixer und Weißabgleich bringt das Tool mit.
Es ist ein Stück weit ähnlich aufgebaut wie Darktable, auch nicht ganz intuitiv.

Diverse weitere Funktionen zur Bildbearbeitung sind hier ebenso noch mit drin wie bei darktable - ich würde sagen: einfach selber mal anschauen.
Solange ich weiter komme, werde ich erst einmal Darktable den Vorzug geben.


Was für beide Tools spricht - wo der Photo Director Miese macht - sie öffnen kein RAW-File direkt, sondern erstellen eigene Temporäre Dateien zur Bearbeitung - das Original der RAW-Datei bleibt unangetastet.
RAW-Files hinterlässt der Photo Director im Zustand des letzten Arbeitsschrittes, der an der Datei vorgenommen wurde.
Will man die RAW-Datei im Original erhalten, muss man sie hier vor der Bearbeitung selbst kopieren oder alle Schritte der Bearbeitung rückgängig machen.


Inzwischen habe ich meine ersten Gehversuche in IR unternommen und hier der Galerie hinzugefügt.

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Quelle:   Eigene Aufnahme

Ein wenig bereue ich schon, dass ich die 1300D genommen habe. Die 750er und die 80D haben Klappdisplays, die 1300D nicht.
Da verbiegt man sich hinter dem Stativ schnell mal das Kreuz.
Das Sucherbild kann mir egal sein, davon habe ich mit dem Clip Filter nicht viel. Die Steuerung der Kamera, also Bildausschnitt und Fokus, nehme ich nur über das Display vor - deshalb das Stativ. Da bin ich von den Klappdisplays sehr verwöhnt, es arbeitet sich bequemer damit.


In der freien Natur unterwegs, erkennt man schnell warum IR-Fotografie nicht überall wirkt. Kombinationen aus Pflanzen und besonderen Gebäuden, Brücken oder Gewässern, in Verbindung mit zarten Wolkenstreifen oder kleinen Wölkchen wirken am besten, will man mit dem Wood Effekt arbeiten, der alles Laub weiß zeichnet.
Und wie ich gerade sehe, verlangt IR auch nach deutlicher Abwechslung bei der Motivwahl.

Einzelne Bäume allein auf einem Hügel auf weitem Feld wirken immer wieder toll.
Im flachen Land lebend musste ich aber erst einmal mit dem auskommen was da ist und habe meine ersten Fotos in Brandenburg und auf der Pfaueninsel gemacht.

Wie es aussieht, werde ich mir in Zukunft überlegen müssen wie ich die Bodys takte. Klar, bei Nachtaufnahmen in der Stadt kann die "Irre", wie meine IR-Cam jetzt heißt, daheim bleiben. Aber tagsüber könnte ich es bedauern sie nicht mitgenommen zu haben. 3 Bodies mitzuschleppen ist aber schon wieder übertrieben. Zumindest solange keine Vollformatige dabei ist.

Auf jeden Fall aber zeigen mir die ersten fertigen Fotos, dass meine Entscheidung für eine IR-Cam richtig war. Die Effekte die man in die Fotos zaubern kann sind so unglaublich wie seinerzeit bei meinen ersten Eindrücken das weiße Laub.

Man sollte sich also nicht unbedingt immer zu einer möglichst realistischen Farbgebung gezwungen sehen.
Landschaften sehen natürlich am besten aus, doch wird die IR-Fotografie nicht ohne Grund auch Falschfarben Fotografie genannt.

Da wir kein Licht im Infrarotbereich sehen können, haben wir auch keine Vorstellung davon wie es aussieht. Da liegt es nahe, dass man einen Himmel oder einen See zuerst einmal blau färben wird. Das Laub der Bäume ist ja noch immer als deutliche IR-Eigenschaft zu erkennen.
Aber welche Farben man einem Bild tatsächlich gibt, sollte Geschmackssache sein.

Bei infraroten schwarz-weiß Fotos sollte man keine Wunder erwarten, es fehlen einfach nur die Farben.
Dafür hat man die schärferen Linien und Tiefen, die deutlicher gezeichneten Wolken und natürlich auch das weiß erscheinende Grün von Pflanzen und dem Laub der Bäume.



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